🌐 Zeit für ein neues, dezentrales Internet
🪦 Ist das Internet, wie wir es kennen, bald tot?
Stand: 2026-July
📧 E-Mails
E-Mails sind schon lange stark mit Spam belastet. Betrachtet man den gesamten eingehenden Mailverkehr vor der Filterung, können rund 90 Prozent Spam sein. Zum Glück wird der größte Teil davon bereits von den Mailservern erkannt und aussortiert. Hinzu kommen unerwünschte „No-Reply“ E-Mails die ich nicht will und in meinem Mülleimer landen. Wer keine Rückfragen zulassen will, braucht mir auch keine E-Mail zu schicken.
Signierte und verschlüsselte E-Mails, etwa mit OpenPGP, werden leider nur von sehr wenigen genutzt. Sie könnten die Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit deutlich erhöhen. Spam würden sie jedoch nur dann vollständig verhindern, wenn ausschließlich signierte Nachrichten akzeptiert würden.
Maildienste wie Gmail oder Microsoft Outlook zeigen, dass du immer mehr zum Produkt wirst:
- Gmail analysiert Inhalte deiner E-Mails, um verschiedene Funktionen bereitzustellen und Daten auszuwerten.
Quelle: kuketz-blog.de/gmail-liest-deine-e-mails-mit - Microsoft Outlook speichert die Anmeldedaten deiner E-Mail-Konten in deren Cloud – auch dann, wenn du E-Mail-Konten anderer Anbieter (z.B. GMX oder Web.de) in der Outlook-App nutzt.
Quelle: kuketz-blog.de/microsoft-outlook-app-greift-microsoft-die-anmeldedaten-ab
📱 Soziale Medien
Soziale Medien wie Facebook, Instagram oder X zeigen euch die Inhalte nicht in der tatsächlichen Reihenfolge ihres Eingangs, sondern nach ihren eigenen Algorithmen. Auch bei den WhatsApp Kanälen werden Inhalte zunehmend durch Empfehlungen und bezahlte Platzierungen beeinflusst. Ihr seid nicht der Kunde, sondern das Produkt.
Ob die Kommunikation auf diesen Plattformen tatsächlich durchgängig Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist, lässt sich von unabhängiger Seite nicht zweifelsfrei überprüfen, da die Software nicht quelloffen ist.
Eines ist jedoch sicher: Metadaten werden von Meta erfasst und ausgewertet. Dazu gehören beispielsweise Kommunikationspartner, Zeitpunkte, Häufigkeit und Geräteinformationen – das geht aus den Datenschutzbestimmungen von Meta hervor.
Der Unternehmensname Meta hat eine gewisse Ironie – fast so, als hätte man sich bei der Namenswahl einen Scherz erlaubt. Ähnlich wie bei ELSTER 😮
🤖 Thema KI
Nun kommt auch KI hinzu: YouTube ist zunehmend mit minderwertigen, automatisch erzeugten KI-Müll überflutet. Außerdem statten immer mehr App-Hersteller ihre Programme mit KI-Funktionen aus, anstatt sich auf deren eigentliche Aufgaben zu konzentrieren. Ich brauche beispielsweise keinen E-Mail-Client mit KI-Unterstützung. Ich bin durchaus selbst in der Lage, meine privaten E-Mails, Kontakte und Kalender eigenständig zu organisieren.
Auch Mozilla hat seit Firefox 148 neue, optionale KI-Funktionen und entsprechende Einstellungen eingeführt. Man kann sie zwar abschalten – trotzdem stellt sich die Frage: Warum kann Mozilla seinen Browser nicht einfach ein Browser sein lassen?
Es muss großartig sein, wenn die KI anhand eures Kalenders und der Wettervorhersage erkennt, dass ihr morgen wegen eures Flugs früher aufstehen müsst. Sie stellt den Wecker automatisch entsprechend früher, informiert euch rechtzeitig – und programmiert sogar Toaster und Kaffeemaschine so um, dass alles perfekt zu eurem neuen Zeitplan passt. Noch besser: Es klingelt an der Tür. Ihr öffnet – und vor euch steht ein Korb voller Lebensmittel, bereit zum Einräumen in den Kühlschrank. Ihr habt ihn nicht bestellt und wusstet nichts davon. Aber keine Sorge: Die KI wird schon wissen, was richtig ist.
Die Frage ist nur: Ist das wirklich Fortschritt – oder der Beginn einer zunehmenden Abhängigkeit, bei der wir immer mehr alltägliche Entscheidungen und Aufgaben aus der Hand geben und verdummen?
Als Techniker nutze ich KI gelegentlich als Unterstützung. Meine Erfahrungen sind jedoch gemischt: Die Ergebnisse wirken oft beeindruckend, enthalten bei genauer Prüfung aber Fehler oder sogar Halluzinationen. Korrigiert man diese, passt die KI ihre Antworten zwar an, bleibt aber nicht immer überzeugend. Da letztlich ich für das Ergebnis verantwortlich bin, ist der Kontrollaufwand hoch und das Vertrauen begrenzt. Unter diesen Umständen kann ich nicht behaupten, dass mein Output höher ist. Aktuell ist KI ein nützliches, aber begrenzt zuverlässiges Tool – daher nutzen, aber kritisch prüfen 🤔
🏷️ Werbung
Willkommen im digitalen Zeitalter – wo das Internet scheinbar ausschließlich aus Werbung besteht! Die paar lächerlichen Artikel dazwischen? Die stören doch nur die perfekte Werbe-Idylle.
Wer möglichst werbefrei suchen möchte, kann einen Inhaltsblocker wie uBlock Origin oder einen netzwerkweiten Filter wie Pi-hole verwenden. In aktuellen Chrome-Versionen wird uBlock Origin jedoch nicht mehr unterstützt; dort steht mit uBlock Origin Lite eine eingeschränkte Alternative zur Verfügung. Daher verwende ich derzeit nur den Mozilla Firefox oder Brave Browser.
Ein angenehmer Nebeneffekt dieser Inhaltsblocker: Webseiten laden schneller, da weniger Werbung, Tracker und unnötige Inhalte geladen werden müssen. Zusätzlich können bekannte schädliche oder unseriöse Quellen durch Filterlisten blockiert werden, was die Sicherheit beim Surfen erhöht.
Die Google-Suche ist seit Jahren stark von Werbung und kommerziellen Interessen geprägt. Nutzer sehen oft zuerst bezahlte Anzeigen, bevor sie zu den eigentlichen Suchtreffern gelangen.
Selbst etablierte Unternehmen können faktisch gezwungen sein, für Sichtbarkeit auf der Google-Suchergebnisseite zu bezahlen. Wer keine Anzeigen schaltet, wird dort mitunter kaum oder gar nicht wahrgenommen. Bezahlte Werbung kann somit zur Voraussetzung werden, um überhaupt prominent sichtbar zu sein. Zudem soll Google seine marktbeherrschende Stellung als Suchmaschinenbetreiber missbraucht haben, indem es seinem eigenen Preisvergleichsdienst Google Shopping rechtswidrige Vorteile verschaffte.
Wer im Web gefunden werden und verkaufen will, ist auf Google angewiesen. August Ullrich hat 2014 in Berlin eine Schnapsbrennerei gegründet. Ein Drittel seines Umsatzes macht er über seinen Webshop. Beim Wachstum geholfen habe ihm dabei anfangs Google. Damals sei die Weiterleitung noch kostenlos gewesen. Mittlerweile, sagt er, lasse sich Google die Sichtbarkeit bezahlen. Und für ihn werde es immer teurer. Die Ausgaben belaufen sich mittlerweile auf rund eine Million Euro pro Jahr – Kosten, die letztlich in den Verkaufspreis der Produkte einfließen. Da Google inzwischen die einzig relevante Suchmaschine sei, gebe es keine Alternative.
"Wir sind Google, ich würde sagen, ausgeliefert", sagt Ullrich. "Wir trauen uns nicht, es abzuschalten. Wenn wir nicht Google bezahlen für unsere Sichtbarkeit, dann findet man uns nicht mehr. Dann ist einfach die Marke nicht mehr da online." Für eine Marke wie seine wäre das ein "Super-GAU". "Wenn wir den Zugang zum Kunden verlieren im Internet, dann verlieren wir auch den Umsatz."
Quellen:
- Tagesschau 30.06.2026: Marktmacht der US-Techkonzerne: Ist ein Leben ohne Google möglich?
- Tagesschau 23.07.2026: Verstoß gegen Digitalregeln: EU verhängt Rekordstrafe gegen Google
📦 Amazon
Günstige Preise – damit wirbt Amazon um seine Kunden. Tatsächlich habe der Konzern jedoch kein Interesse daran, ihnen dauerhaft die besten Preise zu bieten. Diesen Vorwurf erhebt eine ehemalige Amazon-Managerin.
Eine SWR Marktcheck Sendung zeigt, mit welchen Methoden Amazon Händler und Hersteller unter Druck setzt, damit sie ihre Produkte möglichst nicht günstiger als auf Amazon anbieten. Nach Aussagen von Insidern hat diese Praxis auch Folgen für die Kunden: Sie führt dazu, dass viele Produkte insgesamt teurer werden.
Gleichzeitig vermittelt Amazon seinen Kunden den Eindruck, besonders günstige Angebote zu machen, obwohl der tatsächliche Marktpreis oft niedriger sein kann. Das ist Ausdruck einer erheblichen Marktmacht. Die EU sollte solchen Praktiken endlich konsequent entgegentreten.
Quelle:
🌐 Dezentrales Internet
Es wird Zeit für ein neues, dezentrales Internet. Dabei sollen Daten und Plattformen nicht länger von einzelnen Tech-Konzernen kontrolliert werden, sondern dezentral organisiert sein. Das Fediverse und Web3 verfolgen unterschiedliche Ansätze, haben aber das gemeinsame Ziel, zentrale Abhängigkeiten zu verringern.
Beispiele dafür gibt es:
- Matrix, ein dezentrales, werbefreies Chat-Protokoll bzw. Kommunikationsnetzwerk.
- Mastodon, ein dezentrales, werbefreies Microblogging-Netzwerk, das dem früheren Twitter (heute X) ähnelt.